Das Globe-Theater in Neuss hat nicht nur den Niedergang der Galopprennbahn überlebt, sondern ist ein echter Glücksgriff für die Theaterkultur in der Region und erstrahlt schöner denn je.
Am Anfang stand eine Idee für ein neues Theatererlebnis
Der Regisseur und Schauspieler Reinhard Schiele hatte Ende der 80er Jahre die Idee, das Theatererlebnis neu zu gestalten und dabei zurück zu den Wurzeln zu gehen. Wie zu den Zeiten William Shakespeares sollten die Leute das Schauspiel hautnah erleben können. Nicht das Gebäude oder aufwändige Kulissen sollten beeindrucken, sondern allein das Schauspiel und die Akteure sollten im Vordergrund stehen.
Bei den Aufführungen sollte niemand weiter als 10 Meter von den Schauspielern entfern sein. Das Gebäude sollte leicht ab- und an einem anderen Platz wieder aufgebaut werden können. Durch die einfache Bauweise sollte das Gebäude zudem keine großen Kosten verursachen.
Von der Idee zur Realisierung
Um seine Vorstellung zu realisieren, setzte er sich mit Architekten und Statikern zusammen und konzipierte einen Bau nach dem Vorbild des Globe-Theaters von Shakespeare.
Gegenüber dem Original mussten einige Kompromisse eingegangen werden. Ursprünglich gab es in dem elisabethanischen Theater Platz für etwa 3.000 Besucher. Etwa ein Drittel davon waren Stehplätze im Innenhof, die nicht überdacht und daher Wind und Regen ausgesetzt waren. So etwas wäre heute wohl nicht mehr zumutbar. Der Bau wurde daher insgesamt kleiner konzipiert und verfügt über ca. 500 Sitzplätze in einem geschlossenen Raum.
Aufgrund der Feuerschutzvorschriften konnte der Bau nicht, wie ursprünglich vorgesehen, nach dem Originalvorbild in reiner Holzbauweise errichtet werden. Statt dessen wurden Stahlträger verwendet. Wahrscheinlich war das auch gut so, da das erste Globe 1613 durch ein Feuer vernichtet wurde (siehe unten).
Eine kurze Blüte in Rheda-Wiedenbrück
Durch die Landesgartenschau 1988 in Rheda-Wiedenbrück ergab sich die passende Gelegenheit, die Pläne zu realisieren. Das Theater wurde allein durch Sponsoren finanziert, auf einer Wiese an der Ems aufgebaut und erfreute sich während der Gartenschau großer Beliebtheit.
Trotz des großen Zuspruchs von Publikum und Kulturschaffenden war der Betrieb jedoch dauerhaft nicht ohne Förderung aufrechtzuerhalten. Da alle Anträge auf weitere Förderung abgelehnt wurden, musste das Theater schließen und stand anschließend leer.
Neuss erwirbt das Globe
Die Neusser Galopprennbahn war noch in Betrieb. Die veranstalteten Rennen waren jedoch eher zweitklassig. Den Neussern fehlten große Sponsoren, die die Rennen mit hohen Preisgeldern hätten ausstatten können. Geringe Preisgelder bedeuteten weniger prominente Pferde und Jockeys. Weniger „Zugpferde“ bedeuteten weniger Besucher und einen geringeren Wetteinsatz.
Um 1990 wurde die Idee geboren, den kulturellen Wert der Rennbahn durch ein Theater aufzuwerten. Das Gelände war vorhanden und ein passendes Theatergebäude war in Rheda-Wiedenbrück gerade käuflich zu erwerben, so dass sich die Baukosten in Grenzen hielten.
Der Neusser Gemeinnützige Bauverein erwarb das Theatergebäude und baute es 1991 am heutigen Standort wieder auf. Um die Attraktivität der Rennbahn weiter zu steigern wurde sie dann 1995 mit einer modernen Flutlichtanlage ausgestattet. Aber das ist eine Geschichte, die hier erzählt wird.
Das Shakespeare-Festival
Die Neusser hatten aber nicht nur relativ günstig ein neues Theatergebäude errichtet. Tatsächlich stand hinter dem Erwerb eine Idee, die bis heute zigtausende Besucher anzieht. Bereits kurz nach dem Wiederaufbau 1991 feierte Neuss das erste Shakespeare-Festival.
Mittlerweile ist diese Veranstaltung im Sommer nicht mehr aus dem Kulturkalender der Stadt wegzudenken. Hochkarätige internationale Schauspieler und Ensembles freuen sich jedes Jahr aufs neue darauf, die Stücke William Shakespeares in einer nahezu authentischen Atmosphäre vor begeistertem Publikum spielen zu dürfen.
Selbst in der Zwangspause 2025, in der das Theater aufgrund der Bautätigkeit auf dem Gelände der Landesgartenschau nicht genutzt werden konnte, wurde das Festival an vielen Orten in der Stadt fortgeführt.
Mit Fertigstellung der Landesgartenschau wurde nicht nur das Globe-Theater renoviert, sondern auch die alte Wetthalle direkt neben dem Globe-Theater. Damit steht den Besuchern des Shakespeare-Festivals jetzt eine attraktive Einkehrmöglichkeit vor oder nach dem Theaterbesuch zur Verfügung.
Das Globe-Theater bietet für das Shakespeare-Festval die ideale Bühne und wird hoffentlich noch viele Jahre phantastische Schauspieler und ein begeistertes Publikum erleben.
Das Theatergebäude, in dem Shakespeare spielte und dessen Mitbesitzer er war, befand sich im Londoner Stadtteil Bankside. Dort zogen viele Theater und Vergnügungsstätten die Londoner an. Die Konkurrenz war groß und die Londoner liebten eher deftige Unterhaltung.
Eine beliebte Attraktion im Vergnügungsviertel war unter anderem das Bear Baiting. Dabei versuchten abgerichtete Hunde einen Bären, der an einem Pflock in der Mitte einer Arena festgebunden war, an der Kehle oder dem Kopf zu packen. Auch wenn der Tod der Tiere nicht beabsichtigt war, schließlich handelte es sich ja um Betriebskapital, war das ein ziemlich blutiges Werk.
Shakespeare musste den Besuchern also genug Entertainment bieten. Seine Stücke kennt man und weiß, dass sie alleine bereits große Unterhaltung sind. Man bot dem Publikum in diesen Aufführungen zudem viel Pomp in prächtigen Kostümen mit wenigen, aber möglichst realistischen Requisiten.
Am 26. Juni 1613 wurde das Stück Heinrich VIII. im Globe aufgeführt. Um das Schauspiel spannend und realistisch zu gestalten, wurde im passenden Moment eine Kanone abgefeuert. Dumm nur, dass der Schuss das strohgedeckte Dach in Brand setzte. Aus dem Spiel wurde schnell Ernst. Wir wissen nicht so genau, was sich in diesen Minuten im Globe abspielte. Dass die 2.000 bis 3.000 Besucher das Gebäude geordnet verließen, ist eher unwahrscheinlich. Diese Aufführung werden die Überlebenden jedenfalls nie wieder vergessen haben.
Als das Feuer endlich gelöscht war, lag das Globe in Trümmern. Shakespeare und seine Truppe bauten das Theater wieder auf, diesmal allerdings mit einem Ziegeldach. Bereits im Juli des folgenden Jahres fanden wieder Aufführungen statt.


