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  • Landesgartenschau 2026 in Neuss

    Landesgartenschau 2026 in Neuss

    Seit mehr als 30 Jahren helfen die Landesgartenschauen in NRW den Städten, die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung zu bewältigen. Was das konkret bedeutet und wie das in Neuss umgesetzt ist beantworten wir nachfolgend im Überblick

    Was ist eine Landesgartenschau und wozu dient sie?

    Landesgartenschauen in Nordrhein-Westfalen haben das Ziel, die Lebens- und Umweltqualität nicht nur in den ausrichtenden Städten und Gemeinden zu verbessern, sondern auch nachhaltige Impulse für eine ganze Region zu geben. Mit den Mitteln der Grünflächengestaltung und der Landschaftsarchitektur gehen sie dabei verschiedenste städtebauliche Herausforderungen an.

    So kann durch die Neuanlage und Gestaltung von Grünflächen der Charakter einer ganzen Stadt nachhaltig und positiv verändert werden. Daneben können Landesgartenschauen beispielsweise dazu beitragen, Umweltbelastung wie Hitze, Lärm und Staub zu verringern und die Kommunen an den Klimawandel anzupassen.

    Nicht zuletzt sind Landesgartenschauen Identifikationsprojekte für Bürgerinnen und Bürger und von großer touristischer Attraktivität.

    Wer richtet Landesgartenschauen aus?

    Veranstalter einer Landesgartenschau sind traditionell die ausrichtende Kommune (oder auch mehrere Kommunen gemeinsam) und die gemeinnützige Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen (LAGL), die zur Vorbereitung und Durchführung eine Bau- und Betriebsgesellschaft gründen. Diese ist verantwortlich für die Umsetzung der im Bewerbungsverfahren und im Wettbewerb formulierten Ziele und Inhalte.

    Im Falle von Neuss ist die Bau- und Betriebsgesellschaft die „Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH“. Sie ist eine gemeinnützige Gesellschaft und wurde nach dem Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2026 in Neuss am 16. September 2022 gegründet.

    Was kostet eine Landesgartenschau und woher stammt das Geld?

    Die Kosten für eine Landesgartenschau schwanken zwischen ca. 20 Mio. € und über 90 Mio.€, je nach Umfang und Ziele der Projekte.

    Der Haushalt einer Landesgartenschau gliedert sich in mehrere Bestandteile. Grundsätzlich wird zwischen Investitionshaushalt und Durchführungshaushalt unterschieden. Dabei sollen die Eintrittsgelder idealerweise die Durchführungskosten vollständig decken.

    Je nach Vorhaben sind für den investiven Haushalt mehrere Fördertöpfe zugänglich. So gibt es z.B. Mittel für die Gartenbauförderung, die Städtebauförderung, Zuschüsse zu Verkehrsinfrastruktur- und Mobilitätsvorhaben oder auch Zuschüsse aus Mitteln der Denkmalpflege oder für kulturelle Projekte.

    Für die Landesgartenschau 2026 in Neuss werden bisher ca. 60 Mio. € an Kosten angegeben. Die Mittel stammen aus den verschiedensten Fördertöpfen.

    Was macht die Landesgartenschau in Neuss so besonders?

    Kernbereich der Landesgartenschau 2026 in Neuss ist das 39 Hektar großen Gelände der ehemaligen Galopprennbahn. Dieses Areal, das zuletzt weder sinnvoll genutzt, noch gut an die Innenstadt angebunden war, liegt nur wenige 100 Meter vom Stadtzentrum entfernt und ist zukünftig das „Grüne Herz“ von Neuss.

    Darüber hinaus dient die Landesgartenschau in Neuss als Scharnierfunktion für die nachhaltige Entwicklung angrenzender Stadtquartiere, insbesondere des Hammfelds und die Erschließung von Zugängen zum Rhein. Der Zeithorizont für die Entwicklung der Stadtquartiere erstreckt sich dabei weit über die Dauer der eigentlichen Gartenschau. Doch die Konzeption und Vorplanungen wäre ohne die Initialzündung nicht so weit fortgeschritten.

    Die Landesgartenschau in Neuss zeichnete sich von Beginn an durch eine hohe Akzeptanz und Bürgerbeteiligung aus. Bei einer Umfrage im Januar 2022 unterstützten 77% der befragten Bürger das Projekt. Nach dem Zuschlag gründete sich im August 2022 schnell die Bürgerinitiative „Grünes Herz – Bürgerpark Neuss e.V.“, die mit mittlerweile über 1.000 größeren und kleineren Projekten die Landesgartenschau und den später verbleibenden Bürgerpark mit Leben füllt.

    In Neuss findet jedes Jahr das größte, von einem einzigen Schützenverein organisierte Schützenfest der Welt statt. Das Schützenfest fand seit vielen Jahrzehnten sowohl in der Stadt als auch auf dem Areal der heutigen Landesgartenschau statt. Damit dies auch während der laufenden Landesgartenschau weiter so stattfinden kann, wurde es in der Konzeption des Parks in einzigartiger Weise berücksichtigt. Damit wird den Schützenvereinen auch zukünftig auf dem Gelände des Bürgerparks eine neue Heimat gegeben.

    Was bleibt, wenn die Landesgartenschau 2026 in Neuss ihre Tore schließt?

    Nachdem alle temporären floralen und gärtnerischen Ausstellungen und die Infrastruktur für die Landesgartenschau, wie z.B. Veranstaltungsbühnen, Kassenbereich, Toilettencontainer, Food-Trucks etc. zurückgebaut bzw. abgezogen sind, bleibt den Neussern mit dem Bürgerpark Grünes Herz ein erheblicher Mehrwert.

    Auf dem Parkgelände wird es zwar keine aufwändigen Neubepflanzungen in kurzen zeitlichen Abständen mehr geben, jedoch sind die Bepflanzungen so nachhaltig angelegt, dass der Park auch zukünftig als städtisches Naherholungsgebiet eine hohe Aufenthaltsqualität bieten wird.

    Insbesondere die aufwändig gestalteten Aktionsflächen machen den Park für Groß und Klein auch in Zukunft höchst attraktiv. Dazu gehören der Spiel- und Sporthain für Ball- und Fitnessbegeisterte, der Aktionshain mit Skaterplatz, Pump- und Dirttrack und der Naturhain mit dem Kaninchenpielplatz und dem „Platz für das Wir“.

    In dem im östlichen Bereich liegenden Gartenland werden zwar die Schaugärten zurückgebaut, jedoch ist beabsichtigt, einen Teil der Gärten zukünftig mit Hilfe von Bürgerinitiativen und Vereinen weiterleben zu lassen.

    Auch wenn die Neusser sich vor Beginn der Ausstellung oft über die Vielzahl an Baustellen rund um das Gelände geärgert haben, wird sich das auf lange Sicht gelohnt haben. Die Verkehrsinfrastruktur ist mit erneuerten Straßen, breiten Radwegen und verbesserten Fußgängerübergängen erheblich aufgewertet, Der Park bleibt für die Bewohner der umliegenden Stadtquartiere viel besser zugänglich als früher.

    Wie groß der Langzeiteffekt und -nutzen der Landesgartenschau wirklich ist, wird die Zukunft zeigen. Jedoch sind alle Verantwortlichen fest davon überzeugt, dass sich dieses gigantische Projekt für Neuss noch auf Jahrzehnte auszahlen wird.

    Für detaillierte Informationen zur Landesgartenschau in Neuss sowie allgemein zu Landesgartenschauen in NRW gibt es nachstehend eine Auswahl von Links. Die Links sind zum Zeitpunkt der Erstellung des Beitrags geprüft. Für spätere Veränderungen wird keine Gewähr übernommen.

    Die Homepage der Landesgartenschau Neuss 2026

    Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesgartenschauen

    Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen e.V.

  • Der Kanalarbeiter

    Der Kanalarbeiter

    Dies ist eines der ungewöhnlichsten Denkmäler in der Stadt Neuss. Ein Mann mittleren Alters scheint gerade aus einem Kanalschacht auszusteigen und schaut uns dabei freundlich an. Wer ist dieser Mann?

    In der Stadt finden sich an vielen Stellen Denkmäler und Gedenktafeln, die an berühmte Personen erinnern. Doch dieses Denkmal an der Ecke Promenadenstraße zur Neustraße tanzt etwas aus der Reihe.

    Die Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V. hat dieses Denkmal dem „Kanalarbeiter“ gewidmet und 2004 der Stadt Neuss geschenkt. In der Begründung zur Schenkung heißt es, dass es „stellvertretend für die vielen Männer und Frauen,“ steht „die Tag und Nacht, wochentags wie feiertags, jahrein/jahraus dafür sorgen, dass unsere Bürger in einer sauberen Stadt mit erstklassiger Versorgung und Entsorgung leben“ . Denkmäler für Staatsmänner, Künstler, Feldherren u.ä. stünden schon genug herum.

    Ich persönlich finde, dass dies eines der charmantesten Denkmäler der Stadt Neuss ist. Die Heimatfreunde hatten eine großartige Idee, die sehr gut umgesetzt wurde.

    Ein in seiner künstlerischen Aussage sehr ähnliches Denkmal mit Namen „Čumil“ (Deutsch „Gucker“) befindet sich seit 1997 in Bratislava. Über der Bronzeplastik befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Man at work“.

    Auf die starke Ähnlichkeit angesprochen, antwortete der Künstler Michel Franke etwas launig, er sei nie in Bratislava gewesen und habe auch nie von diesem Denkmal gehört.

    Bild: Von Schokifaktor – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151617762

    Ob es nun ein Plagiat ist oder nicht, dem „einfachen Arbeiter“ auch ein Denkmal zu widmen ist sicher nicht verkehrt. Wir nehmen die Leistungen dieser Menschen viel zu oft erst dann zur Kenntnis, wenn sie mal nicht zur Verfügung stehen.

  • Zeughaus

    Zeughaus

    „Zeughaus“ ist schon ein merkwürdiger Name. Sieht das nicht wie eine Kirche aus? Allerdings fehlen die typischen religiösen Symbole wie z.B. Heiligenstatuen. Welche Geschichte hat dieses merkwürdige Gebäude?

    Klosterkirche

    Seit etwa 1620 war neben den Jesuiten der Orden der Franziskaner-Observanten in Neuss aktiv. Dieser Orden, der die Gebote des hl. Franziskus besonders streng befolgte, half den Jesuiten bei religiösen Aufgaben und hielt seine Gottesdienste in einem Seitenaltar des Quirinus-Münsters ab. Da der Orden einerseits im Münster nur geduldet wurde und andererseits Zulauf aus anderen Teilen Deutschlands erhielt, wollten die Oberen ein eigenes Kloster.

    Im Mai des Jahres 1632 erhielt der Orden vom Erzbischof in Köln die Erlaubnis, in Neuss ein eigenes Kloster einzurichten. Man sollte meinen, dass die Brüder danach sofort mit dem Bau begonnen hätten. Dem war aber nicht so, da der Stadtrat von Neuss dies ganz und gar nicht gut fand und das Projekt torpedierte, wo es nur ging.

    Der Stadtrat führte offiziell mehrere Argumente ins Feld:

    • Der von Almosen lebende Bettelorden könne sich auf Dauer gar nicht in der Stadt halten.
    • Es gäbe außer dem Quirinus-Stift mit fünf „Mannsklöstern“ und drei „Jungfrauenklöstern“ bereits mehr als genug geistliche Gemeinschaften in Neuss.
    • Der Bau eines weiteres Klosters im östlichen Teil der Stadt würde die Verteidigung erschweren, zumal bereits die Hälfte des Stadtgebietes aus „geistlichen Plätzen“ bestünde.
    • Ein Klosterbau würde in der engen Stadt den verfügbaren Platz für Bürgerhäuser, Werkstätten und Läden weiter einschränken.

    Sehr wahrscheinlich waren es überwiegend die wirtschaftlichen Gründe, die den Stadtrat damals bewegten. Die Klostergemeinschaften waren von der Steuer befreit. Händler und Handwerker hätten die Stadtkasse besser gefüllt.

    Nach weiteren jahrelangen Streitigkeiten, in deren Verlauf der Stadtrat sogar einmal die frisch gebauten Fundamente wieder einreißen ließ, wurde die Kirche 1639 fertiggestellt und 1640 geweiht. Die Brüder hatten ihren Traum von einer eigenen Kirche mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit endlich realisiert. Das Klostergebäude wurde übrigens erst 1655 fertig.

    Kanonen

    Im Zuge der Säkularisation mussten die Observanten das Kloster samt Kirche 1802 aufgeben. Die Stadt Neuss musste als neue Eigentümerin das Gebäude irgendwie sinnvoll nutzen, was anscheinend nicht so einfach war.

    Von 1826 an wurde das Gebäude dann 38 Jahre an die preußische Militärbehörde vermietet. Diese machte daraus ein Lager für Waffen und anderes militärisches Gerät. Im Soldatenjargon war das ein „Zeughaus„. Dieser Name setzte sich in den Köpfen der Neusser fest und blieb fortan bestehen.

    Kultur

    Wer heute auf dem Freithof in der Mitte der Altstadt steht, erkennt schnell, dass ein Lagergebäude hier völlig fehl am Platz wäre. Dennoch wurde es jahrzehntelang noch so genutzt und an Neusser Firmen vermietet. 1923 erkannten die Stadtoberen endlich das Potenzial und machten 1923/24 aus dem Gebäude einen Theater- und Festsaal.

    Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, wie die Mehrheit der Gebäude in Neuss, stark zerstört und 1949 wieder aufgebaut. Nach mehreren Aus- und Umbauten im Laufe der Jahre erstrahlt das Zeughaus heute als moderne Veranstaltungsstätte für Konzerte, Feste, Tagungen und Versammlungen.

    Eine sympathische junge Kollegin meinte zu diesem Gebäude: Man muss sich eigentlich nur die Begriffe „Kloster“, „Kanonen“ und „Kultur“ merken, um die Geschichte des Gebäudes zu beschreiben. Das finden wir auch.

    Übrigens stand in der großen Nische über dem Eingangsportal entgegen anderslautender Gerüchte nie ein Schützenkönig, sondern eine Statue des hl. Franziskus.

    Die Gedenktafel links unten an der Westfassade ist dafür aber der erste dauerhaft sichtbare Hinweis auf die Bedeutung des Neusser Schützenwesens. Der Schützenkönig des Jahres 1972, Dr. Heinz Günther Hüsch, bemängelte, dass in der Stadt außerhalb der Zeit des Schützenfestes, nichts an dieses bedeutende Brauchtum erinnert. Es gab kein Denkmal, keinen Straßennamen, nichts. Also hat er die Gedenktafel als Königsgeschenk der Stadt und der Bürgerschaft hinterlassen.

    Seinem Beispiel sind in den späteren Jahren viele Schützenkönige gefolgt, so dass man zwischenzeitlich überall in der Innenstadt auf Zeugnisse des Schützenwesens trifft.