Schlagwort: Landesgartenschau

  • Ehemalige Galopprennbahn Neuss

    Ehemalige Galopprennbahn Neuss

    Die Geschichte der Galopprennbahn wird im Rahmen der Landesgartenschau Neuss 2026 vielfältig aufgenommen und bleibt auch anschließend im Grünen Herzen von Neuss in Erinnerung.

    Der Beginn des Pferderennsports in Neuss

    Am 30. August 1875 wurden die ersten offiziellen Pferderennen auf dem Hammfeld in Neuss veranstaltet. Allerdings waren das nicht die ersten Pferderennen auf dieser Wiese, da bereits fast 50 Jahre früher das Reitercorps der Neusser Schützen dort Rennen im Rahmen des Bürgerschützenfestes veranstaltete.

    Versetzen wir uns kurz in diese Zeit ohne Internetwetten und Lotto-Glücksspiel zurück. Pferdewetten hatten ein Monopol und waren bei allen Teilen der Bevölkerung sehr beliebt. Die einen präsentierten sich in eleganten Kleidern im gehobenen gesellschaftlichen Umfeld, die anderen verwetteten nicht selten Haus und Hof auf der Suche nach dem Glück.

    Viele heute selbstverständliche Alternativen existierten damals noch nicht. Den organisierten Galopprennsport gab es bereits ab 1822, während das erste Fußballspiel auf deutschem Boden erst 1874 auf einer Schulsportveranstaltung in Braunschweig ausgetragen wurde.

    Turbulente Jahre

    In den folgenden Jahrzehnten ging es mit dem Perderennsport und dem Neusser Rennverein mal auf- mal abwärts. Es gab berühmte Rennen und spektakuläre Stürze. Es wurden neben Galopprennen auch Hindernis- und Trabrennen veranstaltet. Im Jahre 1909 wurde die schon länger geplante Tribüne gebaut. Trotz des ersten Weltkriegs gab es 1915 einen „Kriegsrenntag“, im folgenden Jahr sogar vier Rennen. Man bemühte sich offensichtlich um Ablenkung und ein Stückchen Normalität in dieser Zeit.

    Eine große Katastrophe für den Rennbetrieb war das Rheinhochwasser 1920. Der Deich brach und das Gelände stand etwa 6 Meter unter Wasser. Zum Glück konnten die Pferde in Sicherheit gebracht werden. Die Schäden an der Infrastruktur waren jedoch immens.

    Ebenso katastrophal für die Rennbahn und die gesamte Stadt Neuss war der zweite Weltkrieg. Man zählte insgesamt 200 Bombentrichter auf dem Gelände. Während des Baus der Landesgartenschau 2025 wurden aufwändige Sondierungen durchgeführt. Dabei wurden insgesamt noch 19 Bomben, 20 Erdkampfmittel (Granaten, Minen, Zünder etc.) und 108 kg Munitionsteile gefunden, entschärft und entsorgt.

    Der Anfang vom Ende

    Andere benachbarte Rennbahnen in Köln, Düsseldorf und Mülheim zahlten höhere Preisgelder und wurden sportlich attraktiver. Neuss versuchte 1995 durch den Bau einer Allwetterbahn mit Flutlicht Boden gutzumachen und konzentrierte sich fortan auf die Wintermonate. Das Konzept funktionierte sehr gut und führte 1999 zu einem Rekord-Wettumsatz von fast 11 Mio. D-Mark, immerhin Rang drei hinter Baden-Baden/Iffetzheim und Köln.

    Doch der immer stärker werdende Einfluss der Internet- und Fußball-Oddset-Wetten schaffte in den Folgejahren eine Konkurrenz, der der Galoppsport insgesamt kaum gewachsen war.

    Man versuchte gegenzusteuern und wandelte 2009 den Innenraum in einen Freizeitpark um und baute eine neuen Tribüne. Die Tribüne stand allerdings von Anfang an unter Kritik, da sie für den Galoppsport wenig zweckmäßig gestaltet war und viele den Sinn dieser Investition generell bezweifelten. Auch die Idee mit dem Freizeitpark zog nicht wirklich, da das Gelände von der Stadt aus schlecht zugänglich war.

    Ein neues Leben nach dem Tod

    Die finanzielle Unterstützung der Galopprennbahn und des Rennbetriebes entwickelte sich für die Stadt Neuss zu einem Fass ohne Boden. Die Stadt kündigte daher dem Rennverein zum Jahresende 2019 den Pachtvertrag. Damit war das Ende der Rennbahn besiegelt.

    Durch eine positive Machbarkeitsstudie bestätigt, fasst der Rat der Stadt im Juni 2021 den Beschluss, sich für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2026 zu bewerben. Zentrales Element des Konzeptes war das Gelände der ehemaligen Galopprennbahn.

    Nachdem Neuss im März 2022 trotz starker Konkurrenz den Zuschlag erhielt, ging man sofort an die Arbeit und schrieb einen europaweiten Wettbewerb für die Konzeption aus. Der Gewinner, die Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH, überzeugte die Jury vor allem durch die gelungene Integration der historischen Rennbahn und der früheren Pferdeställe und Wirtschaftsgebäude.

    Pferderennen werden seit 2019 nicht mehr ausgetragen, dennoch lebt die Geschichte der Neusser Galopprennbahn in vielen Elementen der Landesgartenschau 2026 und dem Bürgerpark Grünes Herz weiter.

    Die ehemalige Sandbahn wurde beibehalten und in ein Sandtrockenrasenband verwandelt. Sie übernimmt damit eine spannende, neue Rolle für die Biodiversität und die ökologische Vielfalt des Parks.

    Um die Sandbahn herum gibt es bunte Blumenrabatten, die an die Pferderennen erinnern.

    Einer der drei großen Spielplätze, der Rennbahnspielplatz, nimmt das Thema geschickt auf. Mitten im Sport- und Spielhain erinnern zwei Spielpferde an die Vergangenheit. Zwei große, als Trommeln gestaltete Ergometer und ein den Spielplatz umfassender Parcours fordern zum sportlichen Wettkampf heraus.

    Mit dem Hammfeldhof wird ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude mit Stallungen modernisiert und für Vereine und Initiativen neu nutzbar gemacht. Außerdem gibt es dort während der LAGA einen Biergarten.

    Von der ehemaligen Reithalle blieb nur das Gerüst stehen. Dieses wird begrünt und dient während der LAGA dem Verband der Landschaftsgärtner als Standort.

    Beitragsbild: Luftaufnahme aus Google Earth aus dem Jahr 2016. Deutlich erkennbar ist das Geläuf, die Führringe und diverse Wirtschaftsgebäude.

  • Landesgartenschau 2026 in Neuss

    Landesgartenschau 2026 in Neuss

    Seit mehr als 30 Jahren helfen die Landesgartenschauen in NRW den Städten, die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung zu bewältigen. Was das konkret bedeutet und wie das in Neuss umgesetzt ist beantworten wir nachfolgend im Überblick

    Was ist eine Landesgartenschau und wozu dient sie?

    Landesgartenschauen in Nordrhein-Westfalen haben das Ziel, die Lebens- und Umweltqualität nicht nur in den ausrichtenden Städten und Gemeinden zu verbessern, sondern auch nachhaltige Impulse für eine ganze Region zu geben. Mit den Mitteln der Grünflächengestaltung und der Landschaftsarchitektur gehen sie dabei verschiedenste städtebauliche Herausforderungen an.

    So kann durch die Neuanlage und Gestaltung von Grünflächen der Charakter einer ganzen Stadt nachhaltig und positiv verändert werden. Daneben können Landesgartenschauen beispielsweise dazu beitragen, Umweltbelastung wie Hitze, Lärm und Staub zu verringern und die Kommunen an den Klimawandel anzupassen.

    Nicht zuletzt sind Landesgartenschauen Identifikationsprojekte für Bürgerinnen und Bürger und von großer touristischer Attraktivität.

    Wer richtet Landesgartenschauen aus?

    Veranstalter einer Landesgartenschau sind traditionell die ausrichtende Kommune (oder auch mehrere Kommunen gemeinsam) und die gemeinnützige Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen (LAGL), die zur Vorbereitung und Durchführung eine Bau- und Betriebsgesellschaft gründen. Diese ist verantwortlich für die Umsetzung der im Bewerbungsverfahren und im Wettbewerb formulierten Ziele und Inhalte.

    Im Falle von Neuss ist die Bau- und Betriebsgesellschaft die „Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH“. Sie ist eine gemeinnützige Gesellschaft und wurde nach dem Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2026 in Neuss am 16. September 2022 gegründet.

    Was kostet eine Landesgartenschau und woher stammt das Geld?

    Die Kosten für eine Landesgartenschau schwanken zwischen ca. 20 Mio. € und über 90 Mio.€, je nach Umfang und Ziele der Projekte.

    Der Haushalt einer Landesgartenschau gliedert sich in mehrere Bestandteile. Grundsätzlich wird zwischen Investitionshaushalt und Durchführungshaushalt unterschieden. Dabei sollen die Eintrittsgelder idealerweise die Durchführungskosten vollständig decken.

    Je nach Vorhaben sind für den investiven Haushalt mehrere Fördertöpfe zugänglich. So gibt es z.B. Mittel für die Gartenbauförderung, die Städtebauförderung, Zuschüsse zu Verkehrsinfrastruktur- und Mobilitätsvorhaben oder auch Zuschüsse aus Mitteln der Denkmalpflege oder für kulturelle Projekte.

    Für die Landesgartenschau 2026 in Neuss werden bisher ca. 60 Mio. € an Kosten angegeben. Die Mittel stammen aus den verschiedensten Fördertöpfen.

    Was macht die Landesgartenschau in Neuss so besonders?

    Kernbereich der Landesgartenschau 2026 in Neuss ist das 39 Hektar großen Gelände der ehemaligen Galopprennbahn. Dieses Areal, das zuletzt weder sinnvoll genutzt, noch gut an die Innenstadt angebunden war, liegt nur wenige 100 Meter vom Stadtzentrum entfernt und ist zukünftig das „Grüne Herz“ von Neuss.

    Darüber hinaus dient die Landesgartenschau in Neuss als Scharnierfunktion für die nachhaltige Entwicklung angrenzender Stadtquartiere, insbesondere des Hammfelds und die Erschließung von Zugängen zum Rhein. Der Zeithorizont für die Entwicklung der Stadtquartiere erstreckt sich dabei weit über die Dauer der eigentlichen Gartenschau. Doch die Konzeption und Vorplanungen wäre ohne die Initialzündung nicht so weit fortgeschritten.

    Die Landesgartenschau in Neuss zeichnete sich von Beginn an durch eine hohe Akzeptanz und Bürgerbeteiligung aus. Bei einer Umfrage im Januar 2022 unterstützten 77% der befragten Bürger das Projekt. Nach dem Zuschlag gründete sich im August 2022 schnell die Bürgerinitiative „Grünes Herz – Bürgerpark Neuss e.V.“, die mit mittlerweile über 1.000 größeren und kleineren Projekten die Landesgartenschau und den später verbleibenden Bürgerpark mit Leben füllt.

    In Neuss findet jedes Jahr das größte, von einem einzigen Schützenverein organisierte Schützenfest der Welt statt. Das Schützenfest fand seit vielen Jahrzehnten sowohl in der Stadt als auch auf dem Areal der heutigen Landesgartenschau statt. Damit dies auch während der laufenden Landesgartenschau weiter so stattfinden kann, wurde es in der Konzeption des Parks in einzigartiger Weise berücksichtigt. Damit wird den Schützenvereinen auch zukünftig auf dem Gelände des Bürgerparks eine neue Heimat gegeben.

    Was bleibt, wenn die Landesgartenschau 2026 in Neuss ihre Tore schließt?

    Nachdem alle temporären floralen und gärtnerischen Ausstellungen und die Infrastruktur für die Landesgartenschau, wie z.B. Veranstaltungsbühnen, Kassenbereich, Toilettencontainer, Food-Trucks etc. zurückgebaut bzw. abgezogen sind, bleibt den Neussern mit dem Bürgerpark Grünes Herz ein erheblicher Mehrwert.

    Auf dem Parkgelände wird es zwar keine aufwändigen Neubepflanzungen in kurzen zeitlichen Abständen mehr geben, jedoch sind die Bepflanzungen so nachhaltig angelegt, dass der Park auch zukünftig als städtisches Naherholungsgebiet eine hohe Aufenthaltsqualität bieten wird.

    Insbesondere die aufwändig gestalteten Aktionsflächen machen den Park für Groß und Klein auch in Zukunft höchst attraktiv. Dazu gehören der Spiel- und Sporthain für Ball- und Fitnessbegeisterte, der Aktionshain mit Skaterplatz, Pump- und Dirttrack und der Naturhain mit dem Kaninchenpielplatz und dem „Platz für das Wir“.

    In dem im östlichen Bereich liegenden Gartenland werden zwar die Schaugärten zurückgebaut, jedoch ist beabsichtigt, einen Teil der Gärten zukünftig mit Hilfe von Bürgerinitiativen und Vereinen weiterleben zu lassen.

    Auch wenn die Neusser sich vor Beginn der Ausstellung oft über die Vielzahl an Baustellen rund um das Gelände geärgert haben, wird sich das auf lange Sicht gelohnt haben. Die Verkehrsinfrastruktur ist mit erneuerten Straßen, breiten Radwegen und verbesserten Fußgängerübergängen erheblich aufgewertet, Der Park bleibt für die Bewohner der umliegenden Stadtquartiere viel besser zugänglich als früher.

    Wie groß der Langzeiteffekt und -nutzen der Landesgartenschau wirklich ist, wird die Zukunft zeigen. Jedoch sind alle Verantwortlichen fest davon überzeugt, dass sich dieses gigantische Projekt für Neuss noch auf Jahrzehnte auszahlen wird.

    Für detaillierte Informationen zur Landesgartenschau in Neuss sowie allgemein zu Landesgartenschauen in NRW gibt es nachstehend eine Auswahl von Links. Die Links sind zum Zeitpunkt der Erstellung des Beitrags geprüft. Für spätere Veränderungen wird keine Gewähr übernommen.

    Die Homepage der Landesgartenschau Neuss 2026

    Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesgartenschauen

    Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen e.V.