Er steht weithin sichtbar auf der Kuppel des Wahrzeichens von Neuss. Das Münster, übrigens eine Basilica Minor, ist nach im benannt. Er selbst ist Patron der Stadt Neuss. Die Rede ist von dem heiligen Quirinus. Wer war dieser Mann?
Zunächst war er offensichtlich ein römischer Offizier, der stolz mit Helm, Lanze, Fahne und Wappenschild dargestellt wird. Aber wie wurde ein römischer Soldat ein Heiliger der katholischen Kirche?
Die Geschichte
Quirinus war in 2. Jahrhundert n.Chr. ein römischer Offizier, der mit der Bewachung gefangener hochrangiger Christen beauftragt war. Einer seiner Gefangenen war Papst Alexander I. Ein weiterer Gefangener war der zum christlichen Glauben bekehrte Präfekt der Stadt Rom namens Hermes.
Quirinus verspottete Hermes, da er offensichtlich nichts von dem neuen Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod hielt. Sofern Hermes ihm aber einen Beweis für die Überlegenheit seines Glauben liefern könne, versprach er ebendiesen Glauben anzunehmen.
Als Verantwortlicher für die Inhaftierten war er offensichtlich von seinen Sicherheitsmaßnahmen überzeugt. Wenn Hermes und Alexander sich trotz getrennter Zellen und doppelter Wachen beide gleichzeitig in einem Raum einfinden würden, wäre das wohl ein Beweis.
Er staunte nicht schlecht, als Alexander, durch einen Engel Gottes geführt, im Raum des Hermes auftauchte. Aber so richtig überzeugt war er anscheinend noch nicht. Jetzt wird die Geschichte persönlich.
Quirinus Tochter Balbina litt an einem Kropf und war schwer krank. Als guter Vater hätte Quirinus alles dafür getan, seine Tochter zu heilen. So versprach er Alexander, sich und seine Familie taufen zu lassen, wenn sie gesund werden würde. Alexander ließ sich die Ketten des Apostels Petrus ins Gefängnis bringen und berührte damit den Hals der Balbina. Daraufhin wurde Balbina gesund. Quirinus hatte keine Argumente mehr und ließ sich und seine Familie taufen.
Da das Christentum damals von den Römern unter Kaiser Hadrian noch brutal bekämpft wurde, unterschrieb er damit sein Todesurteil. Er wurde gefoltert, entsagte aber seinem neuen Glauben nicht. Im Jahre 118 wurde er dann schließlich enthauptet und seine Gebeine in den Praetextus-Katakomben an der Via Appia in Rom beigesetzt.
Sie landeten, wie wir an anderer Stelle sehen werden, dann später hier in Neuss. Seine Gebeine werden heute in einem prächtigen Reliquienschrein aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt. Der ursprüngliche Schrein wurde 1585 durch plündernde Truppen zerstört. Der zweite, einfacher ausgeführte Schrein steht heute im Clemens-Sels-Museum.
Für die Gläubigen ist Quirinus der Schutzpatron unter anderem gegen Pest, Gicht, Viehseuchen und vor allem der Pferde. Im Mittelalter war das sehr gefragt, daher auch die Popularität des Heiligen. St. Quirinus war auch einer der vier heiligen Marschälle. Diese Heiligen des frühen Christentums wurden besonders im Rheinland verehrt und halfen als besonders herausgehobene Schutzheilige vor allem bei unerklärlichen Seuchen und Krankheiten. Neuss hat von dieser Verehrung sehr profitiert und wurde ein bedeutender Wallfahrtsort.
Wie Die Reliquien des Hl. Quirinus nach Neuss gekommen sind und was das in Folge ausgelöst hat, ist eine andere Geschichte in diesem Blog.
Wer wissen will, wie Neuss sich im Zuge der Quirinusverehrung entwickelt hat, liest weiter im Blog oder bucht eine Führung. Wir haben noch viel mehr Geschichten zur Geschichte.



