Autor: Peter

  • Der Kanalarbeiter

    Der Kanalarbeiter

    Dies ist eines der ungewöhnlichsten Denkmäler in der Stadt Neuss. Ein Mann mittleren Alters scheint gerade aus einem Kanalschacht auszusteigen und schaut uns dabei freundlich an. Wer ist dieser Mann?

    In der Stadt finden sich an vielen Stellen Denkmäler und Gedenktafeln, die an berühmte Personen erinnern. Doch dieses Denkmal an der Ecke Promenadenstraße zur Neustraße tanzt etwas aus der Reihe.

    Die Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V. hat dieses Denkmal dem „Kanalarbeiter“ gewidmet und 2004 der Stadt Neuss geschenkt. In der Begründung zur Schenkung heißt es, dass es „stellvertretend für die vielen Männer und Frauen,“ steht „die Tag und Nacht, wochentags wie feiertags, jahrein/jahraus dafür sorgen, dass unsere Bürger in einer sauberen Stadt mit erstklassiger Versorgung und Entsorgung leben“ . Denkmäler für Staatsmänner, Künstler, Feldherren u.ä. stünden schon genug herum.

    Ich persönlich finde, dass dies eines der charmantesten Denkmäler der Stadt Neuss ist. Die Heimatfreunde hatten eine großartige Idee, die sehr gut umgesetzt wurde.

    Ein in seiner künstlerischen Aussage sehr ähnliches Denkmal mit Namen „Čumil“ (Deutsch „Gucker“) befindet sich seit 1997 in Bratislava. Über der Bronzeplastik befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Man at work“.

    Auf die starke Ähnlichkeit angesprochen, antwortete der Künstler Michel Franke etwas launig, er sei nie in Bratislava gewesen und habe auch nie von diesem Denkmal gehört.

    Bild: Von Schokifaktor – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151617762

    Ob es nun ein Plagiat ist oder nicht, dem „einfachen Arbeiter“ auch ein Denkmal zu widmen ist sicher nicht verkehrt. Wir nehmen die Leistungen dieser Menschen viel zu oft erst dann zur Kenntnis, wenn sie mal nicht zur Verfügung stehen.

  • Kehlturm

    Kehlturm

    Es ist ein ziemlich unscheinbarer kreisrunder Bau, der nur knapp über das heutige Straßenniveau hinausragt. Das Mauerwerk sieht allerdings alt aus. Was verbirgt sich hinter diesem etwas kurz geratenen Turm?

    Neuss am Rhein?

    Um zu verstehen, welche Bedeutung dieser Turm im Mittelalter hatte, müssen wir uns den Stadtplan von Braun und Hogenberg aus dem Jahr 1590 genauer ansehen.

    Stadtplan von Neuss nach Braun und Hogenberg von 1590 mit markiertem Verlauf der rheinseitigen Stadtmauer

    In dem Plan ist der rheinseitige Verlauf der Stadtmauer gelb und der Kehlturm grün markiert. Wer den Stadtplan kennt oder genau hinschaut, bemerkt, dass Neuss gar nicht (mehr) am Rhein liegt. Entlang der Stadtmauer fließt die Erft und genau gegenüber dem Kehlturm liest man „Fluß aus dem Rhein“. Aber Neuss lag doch am Rhein, oder nicht?

    Des Rätsels Lösung ist die Verlagerung des Rheins im 12. Jahrhundert. Nach mehreren starken Hochwasserphasen hat sich der Rhein im Laufe von etwa 100 Jahren immer weiter nach Osten verlagert. Zurück blieb ein Seitenarm, die „Kehl“ oder „Kalle“. Diese floss aus dem Rhein kommend, in westlicher Richtung geradewegs auf Neuss zu, um dann nördlich der Stadt wieder in den Rhein zu münden.

    Für Neuss war die Rheinverlagerung äußerst geschäftskritisch. Der Warenhandel auf dem Rhein war eine Lebensader der Stadt. Ohne einen Hafen mit direktem Rheinzugang wäre zumindest der Fernhandel zusammengebrochen. Die Neusser griffen zu einem aufwändigen Trick und leiteten die südlich der Stadt in den Rhein mündende Obererft so um, dass sie entlang der Stadtmauer floss und den Hafen wieder schiffbar machte.

    Die flusseitige Stadtbefestigung

    Wie man auf dem Plan sofort sieht, hat der Kehlturm eine strategisch perfekte Lage. Auf dem Turm waren Kanonen stationiert, mit denen die Neusser sowohl den unterhalb der Stadtmauer gelegenen Schiffsanleger gut verteidigen, als auch Angreifer auf der Kehl abwehren konnten.

    Tatsächlich lag das Bodenniveau zu damaliger Zeit etwa 6 Meter tiefer. Der Turm hatte also eine imposante Höhe, die man heute gar nicht mehr wahrnimmt. Auch die Mauern sind mit ca. 2 Meter Dicke sehr stabil gebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg und bei den Bauarbeiten für das Romaneum 2017 wurde nur der obere Teil des Turms restauriert. Wobei man sich offensichtlich die „künstlerische Freiheit“ herausnahm, gleich eine Türöffnung mit einzubauen. Der originale Festungsturm hatte ganz sicher keine einladende Tür nach außen.

  • Zeughaus

    Zeughaus

    „Zeughaus“ ist schon ein merkwürdiger Name. Sieht das nicht wie eine Kirche aus? Allerdings fehlen die typischen religiösen Symbole wie z.B. Heiligenstatuen. Welche Geschichte hat dieses merkwürdige Gebäude?

    Klosterkirche

    Seit etwa 1620 war neben den Jesuiten der Orden der Franziskaner-Observanten in Neuss aktiv. Dieser Orden, der die Gebote des hl. Franziskus besonders streng befolgte, half den Jesuiten bei religiösen Aufgaben und hielt seine Gottesdienste in einem Seitenaltar des Quirinus-Münsters ab. Da der Orden einerseits im Münster nur geduldet wurde und andererseits Zulauf aus anderen Teilen Deutschlands erhielt, wollten die Oberen ein eigenes Kloster.

    Im Mai des Jahres 1632 erhielt der Orden vom Erzbischof in Köln die Erlaubnis, in Neuss ein eigenes Kloster einzurichten. Man sollte meinen, dass die Brüder danach sofort mit dem Bau begonnen hätten. Dem war aber nicht so, da der Stadtrat von Neuss dies ganz und gar nicht gut fand und das Projekt torpedierte, wo es nur ging.

    Der Stadtrat führte offiziell mehrere Argumente ins Feld:

    • Der von Almosen lebende Bettelorden könne sich auf Dauer gar nicht in der Stadt halten.
    • Es gäbe außer dem Quirinus-Stift mit fünf „Mannsklöstern“ und drei „Jungfrauenklöstern“ bereits mehr als genug geistliche Gemeinschaften in Neuss.
    • Der Bau eines weiteres Klosters im östlichen Teil der Stadt würde die Verteidigung erschweren, zumal bereits die Hälfte des Stadtgebietes aus „geistlichen Plätzen“ bestünde.
    • Ein Klosterbau würde in der engen Stadt den verfügbaren Platz für Bürgerhäuser, Werkstätten und Läden weiter einschränken.

    Sehr wahrscheinlich waren es überwiegend die wirtschaftlichen Gründe, die den Stadtrat damals bewegten. Die Klostergemeinschaften waren von der Steuer befreit. Händler und Handwerker hätten die Stadtkasse besser gefüllt.

    Nach weiteren jahrelangen Streitigkeiten, in deren Verlauf der Stadtrat sogar einmal die frisch gebauten Fundamente wieder einreißen ließ, wurde die Kirche 1639 fertiggestellt und 1640 geweiht. Die Brüder hatten ihren Traum von einer eigenen Kirche mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit endlich realisiert. Das Klostergebäude wurde übrigens erst 1655 fertig.

    Kanonen

    Im Zuge der Säkularisation mussten die Observanten das Kloster samt Kirche 1802 aufgeben. Die Stadt Neuss musste als neue Eigentümerin das Gebäude irgendwie sinnvoll nutzen, was anscheinend nicht so einfach war.

    Von 1826 an wurde das Gebäude dann 38 Jahre an die preußische Militärbehörde vermietet. Diese machte daraus ein Lager für Waffen und anderes militärisches Gerät. Im Soldatenjargon war das ein „Zeughaus„. Dieser Name setzte sich in den Köpfen der Neusser fest und blieb fortan bestehen.

    Kultur

    Wer heute auf dem Freithof in der Mitte der Altstadt steht, erkennt schnell, dass ein Lagergebäude hier völlig fehl am Platz wäre. Dennoch wurde es jahrzehntelang noch so genutzt und an Neusser Firmen vermietet. 1923 erkannten die Stadtoberen endlich das Potenzial und machten 1923/24 aus dem Gebäude einen Theater- und Festsaal.

    Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, wie die Mehrheit der Gebäude in Neuss, stark zerstört und 1949 wieder aufgebaut. Nach mehreren Aus- und Umbauten im Laufe der Jahre erstrahlt das Zeughaus heute als moderne Veranstaltungsstätte für Konzerte, Feste, Tagungen und Versammlungen.

    Eine sympathische junge Kollegin meinte zu diesem Gebäude: Man muss sich eigentlich nur die Begriffe „Kloster“, „Kanonen“ und „Kultur“ merken, um die Geschichte des Gebäudes zu beschreiben. Das finden wir auch.

    Übrigens stand in der großen Nische über dem Eingangsportal entgegen anderslautender Gerüchte nie ein Schützenkönig, sondern eine Statue des hl. Franziskus.

    Die Gedenktafel links unten an der Westfassade ist dafür aber der erste dauerhaft sichtbare Hinweis auf die Bedeutung des Neusser Schützenwesens. Der Schützenkönig des Jahres 1972, Dr. Heinz Günther Hüsch, bemängelte, dass in der Stadt außerhalb der Zeit des Schützenfestes, nichts an dieses bedeutende Brauchtum erinnert. Es gab kein Denkmal, keinen Straßennamen, nichts. Also hat er die Gedenktafel als Königsgeschenk der Stadt und der Bürgerschaft hinterlassen.

    Seinem Beispiel sind in den späteren Jahren viele Schützenkönige gefolgt, so dass man zwischenzeitlich überall in der Innenstadt auf Zeugnisse des Schützenwesens trifft.

  • St. Quirinus-Münster – Der Anfang

    St. Quirinus-Münster – Der Anfang

    Die ikonische Kirche, im Oktober 2009 von Pabst Benedikt XVI. zur Basilika minor erhoben, ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Neuss. Sie beherbergt die Reliquien des Stadtpatrons St. Quirinus und hat eine spannende Geschichte. Schauen wir mal rein.

    Der Standort

    Wie an anderer Stelle erwähnt, hat die Stadt Neuss römische Wurzeln. An der höchsten Stelle einer Erhebung nördlich des Legionslagers bildete sich eine Siedlung. Außerhalb dieser Siedlung, an der Stelle des heutigen Münsters, befand sich in der Spätantike ein Gräberfeld und eine römische Totenkapelle. Die Kirche steht also an einer Stelle, die seit fast 2000 Jahren religiös genutzt wurde.

    Die Vorläuferbauten

    Die kleine Totenkapelle, von den Römern „cella memoria“ genannt, wurde im 9. Jahrhundert durch eine dreischiffige Basilika ersetzt, als in Neuss ein Benediktinerinnenkloster errichtet wurde. Bereits etwas über 100 Jahre später wurde diese Kirche mit einer Krypta erweitert. Im frühen 12. Jahrhundert erfolgte dann erneut eine Erweiterung mit dem Ausbau der Krypta.

    Die Rahmenbedingungen

    Dem Thema „Pilgerfahrten“ wird noch der ein oder andere Beitrag gewidmet, denn da gibt es einiges zu erzählen. An dieser Stelle reicht es zunächst, zu verstehen, dass das Pilgern im frühen Mittelalter nicht nur weit verbreitet, sondern geradezu eine Massenerscheinung mit erstaunlich vielen Beteiligten war.

    Spätestens seit der Übertragung der Gebeine des hl. Quirinus 1050 von Rom nach Neuss durch die Äbtissin Gepa, war Neuss in die erste Reihe der Pilgerstätten am gesamten Niederrhein aufgestiegen.

    In Neuss kreuzten sich verschiedenen Pilgerwege in Nord-Süd und Ost-West-Richtung. Der stetig wachsende Pilgerstrom musste kanalisiert werden. Es mussten ausreichend Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten und vorgehalten werden. Für uns heute schwer vorstellbar, waren die Wallfahrtskirchen im Mittelalter nicht nur Orte der Andacht, sondern wurde auch als Unterkünfte für die Pilger genutzt. Pilger reisten oft in Gruppen und wollten in den besuchten Kirchen auch gemeinsam zu ihren jeweiligen Schutzpatronen beten.

    Man benötigte in Neuss zu Beginn des 13. Jahrhunderts also eine wirklich große Kirche. Sie sollte ein großes Kirchenschiff für die Gottesdienste haben, sollte in den Seitenkapellen Platz für viele Altäre bieten und sollte nicht zuletzt auf den Emporen Platz für übernachtende Pilger vorhalten. Und natürlich sollte die neu erbaute Kirche auch ein Statement zu Reichtum und Macht der Stadt Neuss sein.

    Tatsächlich gab es schon vor der legendenumwobenen „Translatio“ der Reliquien 1050 eine Verehrung des hl. Quirinus in Neuss. So wird z.B. in Quellen beschrieben, dass der Kölner Erzbischof Heribert 1021, kurz vor seinem Tod, die Stadt Neuss besuchte um zum hl. Quirinus zu beten.

    Die Geschichte von Äbtissin Gepa und ihrem Bruder Pabst Leo IX. wurde erst im 15. oder 16. Jahrhundert ersonnen. Aber die Geschichte ist so schön, dass wir sie weiter erzählen.

    Finanzierung und Bau der Basilika

    Dank des gut beschrifteten Grundsteins kennen wir das Datum der Grundsteinlegung genau. Es war der 9. Oktober 1209 an dem Meister Wolbero mit dem Bau der Kirche begann.

    Das Geld für den Bau kam einerseits vom Damenstift, das im 12. Jahrhundert aus dem vormaligen Benediktinerinnenkloster entstammte. Hier lebten damals bis zu 25 wohlhabende adlige Damen weitreichender Verwandtschaft und stattlichen Einkünften.

    Andererseits stammte wohl ein hoher Beitrag aus der Schatulle des ehemaligen Kölner Erzbischofs Adolf, der auch auf dem Grundstein erwähnt wird. Adolf machte 1204 den schweren politischen Fehler, den falschen Kandidaten für die deutsche Kaiserkrone zu unterstützen. Das führte postwendend 1205 zu seiner Exkommunikation und dem Verlust aller geistlichen Ämter. Adolf zog sich nach Neuss zurück, war aber aufgrund einer stattlichen Jahresrente weiterhin durchaus vermögend. Adolf starb 1220 in Neuss und hat den Bau der Kirche sicherlich genau verfolgt.

    Und schließlich gab es Geldmittel aus Spenden, Stiftungen und Erbschaften von Adligen und reichen Bürgern die vor allem mit dem Ziel gegeben wurden, sich angesichts des Todes wohlwollenden himmlischen Beistand zu sichern.

    Aufgrund der gut gefüllten Kasse und vielleicht auch einer guten Organisation an der Baustelle, konnte das Münster in einer Rekordzeit fertiggestellt werden. Wir kennen zwar leider das Einweihungsdatum nicht, es wird aber angenommen, dass die Kirche schon 1235 weitgehend errichtet war.

    Zum (nicht ganz ernst gemeinten) Vergleich: Der Bau des Kölner Doms begann 1248, nachdem die benachbarten Neusser mit einem beeindruckenden Bauwerk mächtig in Vorlage gegangen waren. Vollendet wurde der Kölner Dom erst 1880.

  • St. Quirinus

    St. Quirinus

    Er steht weithin sichtbar auf der Kuppel des Wahrzeichens von Neuss. Das Münster, übrigens eine Basilica Minor, ist nach im benannt. Er selbst ist Patron der Stadt Neuss. Die Rede ist von dem heiligen Quirinus. Wer war dieser Mann?

    Zunächst war er offensichtlich ein römischer Offizier, der stolz mit Helm, Lanze, Fahne und Wappenschild dargestellt wird. Aber wie wurde ein römischer Soldat ein Heiliger der katholischen Kirche?

    Die Geschichte

    Quirinus war in 2. Jahrhundert n.Chr. ein römischer Offizier, der mit der Bewachung gefangener hochrangiger Christen beauftragt war. Einer seiner Gefangenen war Papst Alexander I. Ein weiterer Gefangener war der zum christlichen Glauben bekehrte Präfekt der Stadt Rom namens Hermes.

    Quirinus verspottete Hermes, da er offensichtlich nichts von dem neuen Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod hielt. Sofern Hermes ihm aber einen Beweis für die Überlegenheit seines Glauben liefern könne, versprach er ebendiesen Glauben anzunehmen.

    Als Verantwortlicher für die Inhaftierten war er offensichtlich von seinen Sicherheitsmaßnahmen überzeugt. Wenn Hermes und Alexander sich trotz getrennter Zellen und doppelter Wachen beide gleichzeitig in einem Raum einfinden würden, wäre das wohl ein Beweis.

    Er staunte nicht schlecht, als Alexander, durch einen Engel Gottes geführt, im Raum des Hermes auftauchte. Aber so richtig überzeugt war er anscheinend noch nicht. Jetzt wird die Geschichte persönlich.

    Quirinus Tochter Balbina litt an einem Kropf und war schwer krank. Als guter Vater hätte Quirinus alles dafür getan, seine Tochter zu heilen. So versprach er Alexander, sich und seine Familie taufen zu lassen, wenn sie gesund werden würde. Alexander ließ sich die Ketten des Apostels Petrus ins Gefängnis bringen und berührte damit den Hals der Balbina. Daraufhin wurde Balbina gesund. Quirinus hatte keine Argumente mehr und ließ sich und seine Familie taufen.

    Da das Christentum damals von den Römern unter Kaiser Hadrian noch brutal bekämpft wurde, unterschrieb er damit sein Todesurteil. Er wurde gefoltert, entsagte aber seinem neuen Glauben nicht. Im Jahre 118 wurde er dann schließlich enthauptet und seine Gebeine in den Praetextus-Katakomben an der Via Appia in Rom beigesetzt.

    Sie landeten, wie wir an anderer Stelle sehen werden, dann später hier in Neuss. Seine Gebeine werden heute in einem prächtigen Reliquienschrein aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt. Der ursprüngliche Schrein wurde 1585 durch plündernde Truppen zerstört. Der zweite, einfacher ausgeführte Schrein steht heute im Clemens-Sels-Museum.

    Für die Gläubigen ist Quirinus der Schutzpatron unter anderem gegen Pest, Gicht, Viehseuchen und vor allem der Pferde. Im Mittelalter war das sehr gefragt, daher auch die Popularität des Heiligen. St. Quirinus war auch einer der vier heiligen Marschälle. Diese Heiligen des frühen Christentums wurden besonders im Rheinland verehrt und halfen als besonders herausgehobene Schutzheilige vor allem bei unerklärlichen Seuchen und Krankheiten. Neuss hat von dieser Verehrung sehr profitiert und wurde ein bedeutender Wallfahrtsort.

    Wie Die Reliquien des Hl. Quirinus nach Neuss gekommen sind und was das in Folge ausgelöst hat, ist eine andere Geschichte in diesem Blog.

    Wer wissen will, wie Neuss sich im Zuge der Quirinusverehrung entwickelt hat, liest weiter im Blog oder bucht eine Führung. Wir haben noch viel mehr Geschichten zur Geschichte.

  • Novaesium – Wie alles begann

    Novaesium – Wie alles begann

    Um 16 v.Chr. errichteten die Römer ein Militärlager an einer strategisch wichtigen Stelle am Rhein nördlich der Provinzhauptstadt Colonia. Sie nannten das Lager „Novaesium„. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Lager, das zunächst mit Erdwällen und Holzpalisaden befestigt war, immer weiter ausgebaut. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts entstand nördlich der Erftmündung dann ein aus Stein errichtetes Legionslager, in dem ca. 6.500 Soldaten stationiert waren. Gemessen an der übrigen Besiedelung muss man sich das wie eine Großstadt vorstellen.

    Die Überlegenheit der römischen Kultur in diesem Zeitalter resultierte unter anderem in ihrem Organisationstalent. Zwar wurde ein großer Teil der benötigten Waren zu Land und auf dem Rhein per Schiff bezogen, aber für eine so große Zahl an Menschen konnte man nicht alles importieren. Die Römer bezogen einen großen Teil ihrer Lebensmittel und Produkte aus der Region. Spätestens ab 14 n.Chr. entstand etwas nördlich des Legionslagers auf einer hochwassergeschützten Anhöhe, die heute Büchel heißt, eine zivile Siedlung. Hier lebten die überwiegend einheimischen Händler, Handwerker und Arbeiter mit ihren Familien, die einerseits den Römern dienten aber andererseits auch sehr von ihnen profitierten. Der Name des Legionslagers wurde auch auf die Siedlung übertragen.

    Neuss war geboren.

    Doch aller Anfang ist schwer. Kaum gegründet und etabliert, wurde die Siedlung bereits 70 n.Chr. während eines Bataveraufstands völlig zerstört.

    Wer wissen will, wie Neuss sich entwickelt hat, verfolgt den NeussBlog oder bucht eine Führung. Wir haben noch viel mehr Geschichten zur Geschichte.

    Beitragsbild KI-generiert