Schlagwort: Reliquien

  • Der große Stadtbrand von 1586

    Der große Stadtbrand von 1586

    Ein verliebter Bischof und Kurfürst versetzt das Reich in Unruhe. Was als Heiratswunsch begann, entwickelte sich zu einem Machtkampf und endete in einem Krieg. Neuss gerät zwischen die Fronten und wird dabei fast ausgelöscht.

    Die Vorgeschichte

    Einige Jahrzehnte nachdem Martin Luther seine Thesen 1517 an die Kirchentür in Wittenberg genagelt hatte, waren die weltlichen und religiösen Machtverhältnisse im Deutschen Reich klar verteilt. Die katholischen Kurfürsten waren in der Mehrheit. Der Kaiser war katholisch. Der jeweilige Kurfürst und Erzbischof von Köln war einer der wichtigsten Garanten dieser Ordnung.

    Gebhard Truchsess von Waldburg wurde 1577 zum Erzbischof von Köln gewählt. Nur zwei Jahre später verliebte er sich in die schöne Gräfin Agnes von Mansfeld-Eisleben. Das ist an sich schon ein Skandal, war aber im Mittelalter trotz des Zölibats nicht völlig ungewöhnlich. Dumm nur, dass sie eine Stiftsdame evangelischen Glaubens im Stift Gerresheim war.

    Zunächst sah alles danach aus, als ob die Liebe siegt, aber dann kam die Politik ins Spiel. Gebhard wollte die Dame heiraten und seine Ämter niederlegen. Die evangelischen Kurfürsten sahen jedoch ihre große Chance gekommen. Wenn Gebhard mit dem Kurfürstentum Köln zum evangelischen Glauben übertreten würde, könnten sich die Machtverhältnisse im Deutschen Reich ändern.

    Gebhard trat 1582 offen zum reformierten Glauben über und heiratete 1583 die Gräfin, verzichtete jedoch nicht auf seine Ämter. Das konnte weder dem katholischen Kaiser noch dem Pabst gefallen. Der Eine enthob ihn aller seiner Ämter, der Andere exkommunizierte ihn.

    Das Kölner Domkapitel wählte daraufhin den Bayern Ernst von Wittelsbach als neuen Erzbischof und Kurfürsten. Gebhard ging jetzt erst Recht auf Konfrontationskurs und stürzte den Westen in einen zerstörerischen Krieg mit gegenseitigen Raubzügen und Plünderungen.

    Neuss kommt ins Spiel

    Neuss war in dieser Zeit eine der Perlen im Kurfürstentum Köln. Die Neusser verhielten sich zwar loyal gegenüber dem neuen Wittelsbacher Landesherrn, lehnten dessen Angebot zur militärischen Verstärkung der Stadt aber ab.

    Das stelle sich als grober Fehler heraus. In einer Mainacht 1585 gelang es den truchsessischen Truppen unter Graf Adolf von Neuenahr und Moers, die Stadt im Handstreich einzunehmen. Wie schon vorher in anderen rheinischen Städten verhielten sich die Eroberer nicht zimperlich und plünderten, zerstörten und erpressten Lösegelder. Die Eroberer blieben in der Stadt und ließen sich von den eingeschüchterten Bürgern die Treue schwören.

    Der neue Landesherr Ernst von Wittelsbach war ein Bruder des Königs von Bayern, der wiederum zu dieser Zeit mit den spanisch-katholischen Niederlanden verbündet war. Ernst von Wittelsbach rief ebendiese Spanier unter dem Feldherrn Herzog Alexander von Farnese zur Hilfe. Sie sollten in seinem Namen Neuss zurückgewinnen.

    Die Spanier ließen sich nicht lange bitten und marschierten von den Niederlanden aus nach Neuss. Mit fünffacher Übermacht forderten Sie im Juli 1586 die kampflose Übergabe der Stadt. Graf Adolf ging, vielleicht im Vertrauen auf die Widerstandsfähigkeit der Stadt gegen die burgundische Belagerung 1475, nicht darauf ein.

    Und wieder stellte sich das als Fehler heraus. Nur zwei Wochen später begannen die Spanier die Beschießung der Stadt. Die Belagerten erkannten sehr schnell, dass sie sich verkalkuliert hatten. Graf Adolf versuchte zwar noch, auf dem Verhandlungsweg eine geregelte Kapitulation zu erreichen, aber die spanischen Söldner wollten sich die fette Beute nicht mehr entgehen lassen.

    Die Truppen drangen ohne Befehl in die Stadt ein und begannen hemmungslos zu morden und zu plündern. Das alleine war schon schlimm genug. Aber es kam noch viel schlimmer.

    Eine Katastrophe für Neuss

    Heute ist aus den verfügbaren Quellen nicht mehr nachzuvollziehen, was genau die Ursache war. War es ein Unglück, ausgelöst durch zufällige Brände? War es absichtlich erfolgt, um die Stadt zu strafen? War es blindwütiger Vandalismus?

    Das Pulverlager im Rheintor geriet während der Unruhen in Brand und entwickelte sich rasend schnell zu einem Feuer, dass fast die gesamte Stadt erfasste. Das Feuer war so enorm, dass es bis Köln zu sehen gewesen sein soll. Der Brand vernichtete oder beschädigte zwei Drittel der Häuser, die damals noch überwiegend aus Fachwerk bestanden. Auch das Quirinusmünster wurde schwer beschädigt. Lediglich die weiter entfernt liegenden Stadtteile um das Obertor und das Zolltor kamen einigermaßen glimpflich davon.

    Kaum waren die Feuer ausgebrannt oder gelöscht, übergab der Herzog von Farnese die völlig zerstörte Stadt an den Kurfürst Ernst von Bayern und zog wieder ab.

    Die Neusser bauten in den Jahren und Jahrzehnten danach die Stadt wieder auf. Aber die Folgen der Katastrophe waren so schwerwiegend, dass Neuss nicht mehr an die alten glorreichen Zeiten anknüpfen konnte.

    Die Söldner der spanischen Truppen plünderten nach der Erstürmung der Stadt was das Zeug hielt. Unter anderem verschwanden fast alle wertvollen Kultgenstände aus Gold und Silber aus dem Quirinusmünster und anderen Neusser Kirchen und Klöstern.

    Der größte Schatz der Neusser war jedoch spiritueller Natur. Die 1050 nach Neuss überführten Reliquien des hl. Quirinus waren das Wertvollste, was die Stadt besaß.

    Die Spanier waren nur an dem Gold des Reliquienschreins interessiert. Sie raubten den Schrein und ließen die darin aufbewahrten Knochen achtlos verstreut zurück. Der Neusser Bürger Heinrich Fischer barg die Reliquien unter Lebensgefahr aus der Kirche und versteckte sie in seinem Haus.

    Wie durch ein Wunder stoppte der große Stadtbrand genau vor dem Haus der Familie Fischer, in dem die Reliquien kurz gesichert waren.

    Diese Geschichte wird auf zwei Tafeln des neuen Quirinusschreins von 1900 bildhaft dargestellt.

  • Die Translation – St. Quirinus kommt nach Neuss

    Die Translation – St. Quirinus kommt nach Neuss

    In dieser Geschichte geht es um einen Heiligen, einen Papst, eine Äbtissin und eine größere Kirche. Es geht um den Glauben an göttlichen Beistand und die Fürsprache der Heiligen. Es geht aber auch um Ruhm, Ehre, Macht und klassische Vermarktung.

    Die Geschichte

    Um 950 wurde in Neuss durch die Stiftung einer reichen adligen Familie ein Benediktinerinnenkloster errichtet. Etwa hundert Jahre später stand diesem Kloster die Äbtissin Gepa vor.

    Gepa von Neuss war die Schwester von Papst Leo IX. Durch diese familiäre Verbindung und vom gemeinsamen Wunsch nach Stärkung des christlichen Glaubens getrieben, schenkte Papst Leo IX. seiner Schwester die Reliquien des hl. Quirinus, einer der bedeutendsten frühchristlichen Märtyrer.

    Genau am 30. April 1050 traf Gepa mit den Gebeinen des hl. Quirinus im Gepäck per Schiff aus Rom in Neuss ein. Selbstverständlich wurde das nicht nur in Neuss gebührend gefeiert, sondern auch im gesamten Rheinland proklamiert. Auch heute noch ist der 30. April der Tag des Patroziniums.

    Die Protagonisten

    Der Heilige

    Über den hl. Quirinus und seine Geschichte gibt es einen eigenen Beitrag. Den könnt ihn hier lesen.

    Die Äbtissin

    Gepa von Neuss stand einem angesehen Kloster vor. Sie war zweifellos nicht nur wohlhabend, sondern über familiäre Verbindungen auch gut vernetzt. Ihr Bruder war erst Bischof von Toul, später dann sogar Papst. Über Ecken war sie sogar mit dem Kaiser verwandt. Es ist also glaubhaft, dass ihr die Bitte nach einer wichtigen christlichen Reliquie zur Stärkung des Glaubens in Neuss erfüllt wurde.

    Der Papst

    Papst Leo IX. war der erste und bedeutendste der fünf „deutschen“ Päpste. er stammte aus einer oberelsässischen Grafenfamilie, die mit dem deutschen Kaiser Heinrich III. verwandt war. Bereits mit 24 Jahren wurde er Bischof von Toul. 1048 wurde er auf dem Reichstag zu Worms zum Papst ernannt. Da er sich jedoch als „Bischof von Rom“ noch die Legitimation des römischen Klerus und Volkes wünschte, nahm er erst im folgenden Jahr die Papstwürde an.

    Leo IX. war ein Reformer und bereiste häufig die Reichsteile nördlich der Alpen. Er festigte die Position des Papstes und seine Macht unter anderem dadurch, dass er den Menschen als Mann des Volkes gegenübertrat.

    Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass er der Bitte seiner Schwester nachgekommen ist, den Glauben der Menschen in der Stadt Neuss mit den Reliquien des hl. Quirinus zu festigen.

    Die Klosterkirche

    Im Jahre 1179 wurde das Benediktinerinnenkloster in ein Damenstift umgewandelt. Der Unterschied bestand im Wesentlichen darin, dass die Nonnen im Kloster deutlich striktere Regeln befolgen mussten, als die Stiftsdamen. Die Stiftsdamen verfügten darüber hinaus über eigenes Vermögen, eigene Wohnungen und konnten auch aus der Gemeinschaft wieder austreten. Beide Einrichtungen dienten jedoch dem gleichen Zweck, nämlich der Versorgung der unverheirateten weiblichen Familienmitglieder.

    Das Damenstift war in Neuss die wohlhabendste Klostergemeinschaft und verfügte auch über die größte Kirche. Doch mit der immer weiter zunehmenden Verehrung des hl. Quirinus wurde diese Kirche zu klein. So wurde 1209 mit dem Bau einer erheblich größeren Kirche, der Quirinus-Basilika begonnen.

    Ohne die Reliquien, den damit verbundenen Ruhm und den in Folge entstandenen Pilgerstrom, wäre ein Neubau sicher nicht notwendig gewesen.

    So schön die Geschichte klingt, so falsch ist sie leider auch. Eine Verehrung des hl. Quirinus fand jedenfalls schon deutlich früher, mindestens seit 1021 in Neuss statt. Und ob Gepa und Leo wirklich Geschwister waren, ist zumindest zweifelhaft. Viel spannender ist, dass die Geschichte in dieser Form überhaupt erst im 15. und 16. Jahrhundert erzählt wurde.

    Eines ist sicher, die Reliquien zogen im Mittelalter wie ein Magnet Millionen von Pilgern an. Es wurde fleißig mit Reliquien gehandelt und gerne auch mal betrogen. Reliquien fokussierten den Glauben. Für die damaligen Menschen, die in der Mehrheit weder lesen noch schreiben konnten, wurde ihre Religion in den bebilderten Heiligengeschichten und Reliquien begreifbar.

    Wenn diese Geschichten auserzählt waren, wurden oft neue Legenden erfunden. Im Volk gab es niemand, der den Wahrheitsgehalt hätte prüfen können. Es war im Grunde auch egal, Hauptsache die Geschichten waren schön. Es ging zwar alles viel langsamer als heute, aber die Mechanismen zur Aufmerksamkeitserregung konnte man auch damals bereits beobachten.

    Nur wenig später als in Neuss, im Jahr 1164, „schenkte“ Kaiser Barbarossa seinem Kanzler, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der heiligen drei Könige. Dass diese eigentlich zwei Jahre vorher aus Mailand geraubt wurden, wo sie seit dem 4. Jahrhundert aufbewahrt wurden, ist offensichtlich irrelevant.

    Auch hier wurde die Überführung der Gebeine von Italien nach Köln ausführlich zelebriert. Heute würde man wohl sagen, marketingtechnisch nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet. Und auch hier entstand anschließend ein bemerkenswerter Aufschwung durch die Pilgerströme, der ebenso wie in Neuss zum Bau einer neuen größeren Kirche, des Kölner Doms, führte.

  • St. Quirinus-Münster – Der Anfang

    St. Quirinus-Münster – Der Anfang

    Die ikonische Kirche, im Oktober 2009 von Pabst Benedikt XVI. zur Basilika minor erhoben, ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Neuss. Sie beherbergt die Reliquien des Stadtpatrons St. Quirinus und hat eine spannende Geschichte. Schauen wir mal rein.

    Der Standort

    Wie an anderer Stelle erwähnt, hat die Stadt Neuss römische Wurzeln. An der höchsten Stelle einer Erhebung nördlich des Legionslagers bildete sich eine Siedlung. Außerhalb dieser Siedlung, an der Stelle des heutigen Münsters, befand sich in der Spätantike ein Gräberfeld und eine römische Totenkapelle. Die Kirche steht also an einer Stelle, die seit fast 2000 Jahren religiös genutzt wurde.

    Die Vorläuferbauten

    Die kleine Totenkapelle, von den Römern „cella memoria“ genannt, wurde im 9. Jahrhundert durch eine dreischiffige Basilika ersetzt, als in Neuss ein Benediktinerinnenkloster errichtet wurde. Bereits etwas über 100 Jahre später wurde diese Kirche mit einer Krypta erweitert. Im frühen 12. Jahrhundert erfolgte dann erneut eine Erweiterung mit dem Ausbau der Krypta.

    Die Rahmenbedingungen

    Dem Thema „Pilgerfahrten“ wird noch der ein oder andere Beitrag gewidmet, denn da gibt es einiges zu erzählen. An dieser Stelle reicht es zunächst, zu verstehen, dass das Pilgern im frühen Mittelalter nicht nur weit verbreitet, sondern geradezu eine Massenerscheinung mit erstaunlich vielen Beteiligten war.

    Spätestens seit der Übertragung der Gebeine des hl. Quirinus 1050 von Rom nach Neuss durch die Äbtissin Gepa, war Neuss in die erste Reihe der Pilgerstätten am gesamten Niederrhein aufgestiegen.

    In Neuss kreuzten sich verschiedenen Pilgerwege in Nord-Süd und Ost-West-Richtung. Der stetig wachsende Pilgerstrom musste kanalisiert werden. Es mussten ausreichend Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten und vorgehalten werden. Für uns heute schwer vorstellbar, waren die Wallfahrtskirchen im Mittelalter nicht nur Orte der Andacht, sondern wurde auch als Unterkünfte für die Pilger genutzt. Pilger reisten oft in Gruppen und wollten in den besuchten Kirchen auch gemeinsam zu ihren jeweiligen Schutzpatronen beten.

    Man benötigte in Neuss zu Beginn des 13. Jahrhunderts also eine wirklich große Kirche. Sie sollte ein großes Kirchenschiff für die Gottesdienste haben, sollte in den Seitenkapellen Platz für viele Altäre bieten und sollte nicht zuletzt auf den Emporen Platz für übernachtende Pilger vorhalten. Und natürlich sollte die neu erbaute Kirche auch ein Statement zu Reichtum und Macht der Stadt Neuss sein.

    Tatsächlich gab es schon vor der legendenumwobenen „Translatio“ der Reliquien 1050 eine Verehrung des hl. Quirinus in Neuss. So wird z.B. in Quellen beschrieben, dass der Kölner Erzbischof Heribert 1021, kurz vor seinem Tod, die Stadt Neuss besuchte um zum hl. Quirinus zu beten.

    Die Geschichte von Äbtissin Gepa und ihrem Bruder Pabst Leo IX. wurde erst im 15. oder 16. Jahrhundert ersonnen. Aber die Geschichte ist so schön, dass wir sie weiter erzählen.

    Finanzierung und Bau der Basilika

    Dank des gut beschrifteten Grundsteins kennen wir das Datum der Grundsteinlegung genau. Es war der 9. Oktober 1209 an dem Meister Wolbero mit dem Bau der Kirche begann.

    Das Geld für den Bau kam einerseits vom Damenstift, das im 12. Jahrhundert aus dem vormaligen Benediktinerinnenkloster entstammte. Hier lebten damals bis zu 25 wohlhabende adlige Damen weitreichender Verwandtschaft und stattlichen Einkünften.

    Andererseits stammte wohl ein hoher Beitrag aus der Schatulle des ehemaligen Kölner Erzbischofs Adolf, der auch auf dem Grundstein erwähnt wird. Adolf machte 1204 den schweren politischen Fehler, den falschen Kandidaten für die deutsche Kaiserkrone zu unterstützen. Das führte postwendend 1205 zu seiner Exkommunikation und dem Verlust aller geistlichen Ämter. Adolf zog sich nach Neuss zurück, war aber aufgrund einer stattlichen Jahresrente weiterhin durchaus vermögend. Adolf starb 1220 in Neuss und hat den Bau der Kirche sicherlich genau verfolgt.

    Und schließlich gab es Geldmittel aus Spenden, Stiftungen und Erbschaften von Adligen und reichen Bürgern die vor allem mit dem Ziel gegeben wurden, sich angesichts des Todes wohlwollenden himmlischen Beistand zu sichern.

    Aufgrund der gut gefüllten Kasse und vielleicht auch einer guten Organisation an der Baustelle, konnte das Münster in einer Rekordzeit fertiggestellt werden. Wir kennen zwar leider das Einweihungsdatum nicht, es wird aber angenommen, dass die Kirche schon 1235 weitgehend errichtet war.

    Zum (nicht ganz ernst gemeinten) Vergleich: Der Bau des Kölner Doms begann 1248, nachdem die benachbarten Neusser mit einem beeindruckenden Bauwerk mächtig in Vorlage gegangen waren. Vollendet wurde der Kölner Dom erst 1880.

  • St. Quirinus

    St. Quirinus

    Er steht weithin sichtbar auf der Kuppel des Wahrzeichens von Neuss. Das Münster, übrigens eine Basilica Minor, ist nach im benannt. Er selbst ist Patron der Stadt Neuss. Die Rede ist von dem heiligen Quirinus. Wer war dieser Mann?

    Zunächst war er offensichtlich ein römischer Offizier, der stolz mit Helm, Lanze, Fahne und Wappenschild dargestellt wird. Aber wie wurde ein römischer Soldat ein Heiliger der katholischen Kirche?

    Die Geschichte

    Quirinus war in 2. Jahrhundert n.Chr. ein römischer Offizier, der mit der Bewachung gefangener hochrangiger Christen beauftragt war. Einer seiner Gefangenen war Papst Alexander I. Ein weiterer Gefangener war der zum christlichen Glauben bekehrte Präfekt der Stadt Rom namens Hermes.

    Quirinus verspottete Hermes, da er offensichtlich nichts von dem neuen Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod hielt. Sofern Hermes ihm aber einen Beweis für die Überlegenheit seines Glauben liefern könne, versprach er ebendiesen Glauben anzunehmen.

    Als Verantwortlicher für die Inhaftierten war er offensichtlich von seinen Sicherheitsmaßnahmen überzeugt. Wenn Hermes und Alexander sich trotz getrennter Zellen und doppelter Wachen beide gleichzeitig in einem Raum einfinden würden, wäre das wohl ein Beweis.

    Er staunte nicht schlecht, als Alexander, durch einen Engel Gottes geführt, im Raum des Hermes auftauchte. Aber so richtig überzeugt war er anscheinend noch nicht. Jetzt wird die Geschichte persönlich.

    Quirinus Tochter Balbina litt an einem Kropf und war schwer krank. Als guter Vater hätte Quirinus alles dafür getan, seine Tochter zu heilen. So versprach er Alexander, sich und seine Familie taufen zu lassen, wenn sie gesund werden würde. Alexander ließ sich die Ketten des Apostels Petrus ins Gefängnis bringen und berührte damit den Hals der Balbina. Daraufhin wurde Balbina gesund. Quirinus hatte keine Argumente mehr und ließ sich und seine Familie taufen.

    Da das Christentum damals von den Römern unter Kaiser Hadrian noch brutal bekämpft wurde, unterschrieb er damit sein Todesurteil. Er wurde gefoltert, entsagte aber seinem neuen Glauben nicht. Im Jahre 118 wurde er dann schließlich enthauptet und seine Gebeine in den Praetextus-Katakomben an der Via Appia in Rom beigesetzt.

    Sie landeten, wie wir an anderer Stelle sehen werden, dann später hier in Neuss. Seine Gebeine werden heute in einem prächtigen Reliquienschrein aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt. Der ursprüngliche Schrein wurde 1585 durch plündernde Truppen zerstört. Der zweite, einfacher ausgeführte Schrein steht heute im Clemens-Sels-Museum.

    Für die Gläubigen ist Quirinus der Schutzpatron unter anderem gegen Pest, Gicht, Viehseuchen und vor allem der Pferde. Im Mittelalter war das sehr gefragt, daher auch die Popularität des Heiligen. St. Quirinus war auch einer der vier heiligen Marschälle. Diese Heiligen des frühen Christentums wurden besonders im Rheinland verehrt und halfen als besonders herausgehobene Schutzheilige vor allem bei unerklärlichen Seuchen und Krankheiten. Neuss hat von dieser Verehrung sehr profitiert und wurde ein bedeutender Wallfahrtsort.

    Wie Die Reliquien des Hl. Quirinus nach Neuss gekommen sind und was das in Folge ausgelöst hat, ist eine andere Geschichte in diesem Blog.

    Wer wissen will, wie Neuss sich im Zuge der Quirinusverehrung entwickelt hat, liest weiter im Blog oder bucht eine Führung. Wir haben noch viel mehr Geschichten zur Geschichte.